Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hatte das Walter-Heckmann AWO Senioren- und Sozialzentrum Merkstein zu einem Vortrag über kultursensible Pflege eingeladen. Mitarbeiter/innen der Einrichtung und Schüler/innen des Aachener Instituts für Pflege und Soziales (IPS) füllten den Festsaal bis fast auf den letzten Platz. Einrichtungsleiter Lothar Cecharowski freute sich über das große Interesse und begrüßte den Referenten Stefan Teichmann (Übach-Palenberg), mit dem er seit zwei Jahren ein speziell auf sein Haus ausgerichtetes Konzept zum Thema erarbeitet.

 

Stefan Teichmann beleuchtete zunächst die heutige Situation der in den 50er Jahren angeworbenen Gastarbeiter. Damals seien alle davon ausgegangen, nach Jahren meist schwerer und schmutziger Arbeit in die Heimat zurückzukehren. Das gelte auch für die Gastarbeiter aus dem heutigen EU-Raum. Was aber vielen Deutschen unbekannt oder zumindest unbewusst sein dürfte: Türken, Marokkaner, Tunesier verlieren ihren Rentenanspruch, wenn sie dauerhaft in die Heimat zurückkehren. Also pendeln sie, immer wieder für ein paar Monate. „Pendelmigration“ nannte Teichmann das Phänomen. Die älter werdenden Migranten aber müssten immer öfter die Erfahrung machen, dass sie von ihren Kindern – berufsbedingt - nicht gepflegt werden können. Damit werde kultursensible Pflege „in den kommenden Jahren zu einem der zentralen Themen der Altenpflege, zu einer großen Aufgabe der Wohlfahrtsverbände und mit ihr das Ausbilden von Fachkräften“, so der Referent.

 

Interkulturelle Kompetenz als Ziel

Teichmann, von Hause aus Sprach- und Kommunikationswissenschaftler, stellte dem Forum die Schwerpunkte seines dezidierten Lehrplans vor, mit dem er in Altenpflegeseminaren und in Einrichtungen der Erwachsenenbildung arbeitet. Es gelte die Auseinandersetzung mit Demographie, Integration, Vorurteilen und Stigmatisierung, fremden Kulturen, um schließlich interkulturelle Kompetenz zu erlangen. Fünfzig Unterrichtsstunden reichten dafür bei weitem nicht. Hier müsse der Gesetzgeber tätig werden. Bloßes Faktenwissen sei zu wenig. Offenheit, Akzeptanz und Empathie müssten verinnerlicht werden.

Hinzu komme die „äußerst heterogene Gruppe der Flüchtlinge“, die unser Bildungssystem vor große Herausforderungen stelle. Dennoch sieht Teichmann hier „unverkennbare Chancen. Anders als von der unsäglichen Propaganda rechtspopulistischer Gruppierungen kommuniziert, sind viele dieser Flüchtlinge hochmotiviert, lernen unsere Sprache, wollen sich integrieren und wollen hier arbeiten.“ Die Vielfalt an neuen Vorstellungen werde zunehmend relevant für die Vermittlung kultursensibler Pflege.