Aus Zeitung am Sonntag vom 3. Januar 2021:

INTERVIEW IM RAHMEN DER VEREINSPORTRÄT-REIHE

AWO leistet viel für ein sozialeres Miteinander

Merksteiner Ortsverein für neue Ideen offen – Corona hat das Miteinander und viele Pläne beeinträchtigt

Merkstein. In unserer Vereinsporträt-Reihe stellen wir heute den Merksteiner Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt vor. Die Fragen beantworten Ursula Foitzik (Stellvertretende Vorsitzende und Gruppenleiterin), die sich seit 50 Jahren in der AWO ehrenamtlich engagiert und Horst Herberg, der 1998 den Vorsitz des Merksteiner AWO-Ortsvereins übernahm.

Ursula Foitzik und Horst Herberg stellen das AWO-Programm vor und hoffen auf Durchführbarkeit. Der Ortsverein in Merkstein informiert gerne zu seiner Arbeit. Das geschieht durch die herkömmlichen Schaukästen im Stadtteil, mit Flyern und im Internet. (Foto: Wilfried Ullrich)

 

Wie würden Sie die Aufgaben Ihres Vereins in zwei Sätzen kurz beschreiben?

Horst Herberg: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist als Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege Träger professioneller Einrichtungen und als Mitgliederverband organisiert, in dem ehrenamtliches Engagement erbracht wird. Der AWO-Ortsverein Merkstein leistet soziale Arbeit, bei uns kommen Menschen zusammen, um bei Reisen, Ausflügen, Exkursionen, Gesellschaftsspielen, Informationsveranstaltungen, Gruppenstunden in der Begegnungsstätte, Festen oder ähnlichen Angeboten gemeinsame Erlebnisse zu haben.

Was macht Ihren Verein so besonders?

Horst Herberg: Die Arbeiterwohlfahrt ist vor hundert Jahren gegründet worden, um die große Not der Industriearbeiterschaft und ihrer Familien zu lindern und als solcher Teil der historischen Arbeiterbewegung in Deutschland. Dennoch sind wir ein unabhängiger Verband, der Menschen jeglicher Weltanschauung betreut und zum Mitmachen einlädt, sie unterstützt und stets auf der Höhe der Zeit ist.

Inwieweit schränkt die Pandemie die Vereinsarbeit ein?

Ursula Foitzik: Die Einschränkungen treffen uns erheblich. Zahlreiche Treffen und auch die Urlaubsreisen sind ausgefallen. Insgesamt sind das etwa hundert Termine im Jahr 2020. Unsere zahlreichen Jubilare konnten wir wegen des Versammlungsverbotes noch nicht in würdiger Weise ehren. Der Mitgliederbestand geht zurück, die natürlichen Abgänge lassen sich ohnehin nur schwerlich ausgleichen. Wenn weniger oder keine Aktivitäten stattfinden, ist es noch schwierige Neuzugänge zu gewinnen, weil die Mitglieder überwiegend durch Angebote angesprochen werden. Die Gesellschaft braucht aber Vereine wie die AWO, um das soziale Gefüge aufrechtzuerhalten.

Nach dem ersten Lockdown haben wir im Rahmen des Zulässigen und unter Beachtung der Regeln Angebote gemacht, aber auch der Not gehorchend Neues entdeckt. Zum Beispiel unseren Musiknachmittag an der Begegnungsstätte als kleinen „Sommerfest-Ersatz“ erfunden, den wir beibehalten. Wir sind mehr gewandert als sonst, der Empfehlung folgend, Bewegung an der frischen Luft zu suchen. Regelmäßig findet weiterhin die Sozialberatung durch Reinhold Hauser statt.

Der Förderunterricht für Grundschulkinder kann nicht mehr stattfinden, weil die Betreuerin Maria Dünwald altersbedingt zur sogenannten Risikogruppe gehört. Gerne würden wir das Angebot fortführen, wenn sich eine jüngere Kraft hierfür findet. Unser Gesamtangebot beruht auf Ehrenamtlichkeit.

Besorgt sind wir, weil die Menschen teilweise zu Hause vereinsamen und wir fragen uns, inwieweit es gelingt, nach der Rückkehr der Normalität das Vereinsleben wieder hochzufahren.

Wie tauschen sich die Mitglieder in so einer Zeit eigentlich aus? Welche Fragen tauchen in so einer Zeit seitens der Mitglieder beim Vorstand auf?

Horst Herberg: Wir versuchen Kontakt zu halten über Mitgliederbriefe und viele unserer Freundinnen und Freunde halten untereinander Kontakt, digital, telefonisch oder durch Einzelbegegnungen. Unsere Altersjubilare wurden weiterhin aufgesucht, die Präsente an der Haustüre überreicht. Die auftauchenden Fragen sind, die Sorge, ob man vorsichtig genug ist, sich nicht zu infizieren und gleichzeitig der Wunsch nach Normalität und Neubeginn der Gruppenaktivitäten.

Warum ist Ihnen persönlich das Engagement im Verein wichtig?

Ursula Foitzik: Menschen müssen Verantwortung übernehmen, um das soziale Miteinander zu gestalten. Dieser Aufgabe wollen wir gerecht werden. Diese Arbeit brauchen wir, weil wir daran gewöhnt und von der Notwendigkeit überzeugt   sind.

Was war Ihr schönstes bzw. nachhaltigstes Erlebnis im Verein?

Ursula Foitzik: Nachhaltige Erlebnisse waren die von sehr vielen Gästen besuchten Sommerfeste sowie die Mehrtagesreisen und Ausflüge, wo wir einen starken Gemeinschaftssinn und interessantes Neues erfuhren.   

Was wollten Sie anderen Vereinsmitgliedern, Unterstützern oder Politikern immer schon mal sagen?

Ursula Foitzik: Die Erkenntnis ist eigentlich alt: Menschen bedürfen der sozialen Kontakte. Die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen führen zu einer starken Zunahme der Individualisierung, was vielen Menschen auf Dauer nicht gut tut. Es fällt den Vereinen immer schwerer, ehrenamtliche Hilfskräfte zu finden, die sich auf Dauer in einer verantwortlichen Aufgabe binden. Es müssen Wege gefunden werden, hier gegenzusteuern.

Welche großen Ziele / Aktivitäten haben Sie mit dem Verein im Blick?

Horst Herberg: Der AWO-Ortsverein Merkstein wurde nur wenige Jahre nach der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland gegründet. Unser 100jähriges Jubiläum steht im Jahr 2023 an. Langsam müssen wir mit der Aufbereitung unserer bewegten Historie beginnen.

Wenn bei mehreren Eltern Interesse besteht, lassen wir gerne wieder in der Begegnungsstätte an der Römerstraße eine Krabbelgruppe aufleben. Die Gruppe muss wie zuvor eigenverantwortlich tätig sein. Unser Ortsverein ist immer wieder bereit, sich neuen Ideen zu öffnen. Die Arbeit beruht ausschließlich auf Ehrenamtlichkeit.

Für das Kalenderjahr 2021 haben wir bereits im November wiederum ein umfangreiches Programm erstellt, obwohl wir derzeit nicht wissen, inwieweit die Aktivitäten stattfinden können, da wir langfristig planen müssen. Vorgesehen haben wir, in der ersten Januar-Woche mit den Treffen in der Begegnungsstätte zu beginnen. Das steht jetzt sehr deutlich in Frage. Auf unserer Homepage informieren wir zur aktuellen Durchführbarkeit.