„Blickrichtungswechsel“ – das Buch von Brigitta Schröder ist Programm, ist Lehrstück und Aufforderung zu einem angemessenen Umgang mit dementen Menschen. Diese außergewöhnliche Frau aber persönlich zu erleben, eröffnet Dimensionen. Davon konnten sich die Besucher im bis auf den letzten Platz besetzten Eurode Business Center jetzt in einer zweistündigen Begegnung überzeugen.

 

Eingeladen hatte das Netzwerk „Senioren ohne Grenzen“. Vorsitzende Maria Dünwald begrüßte den stellvertretenden Bürgermeister Dr. Manfred Fleckenstein und freute sich über den „euregionalen Teilnehmerkreis“, fanden sich unter den Gästen doch auch zahlreiche Mitglieder des niederländischen Netzwerks „Senioren zonder Grenzen“ und des Seniorenbeirats der ostbelgischen Gemeinde Raeren.

Schon lange vor dem offiziellen Beginn war Brigitta Schröder in Gespräche verwickelt, ging spontan auf die Ankommenden zu, fragte, hörte zu. Ihre ungezwungene Dialogbereitschaft ließ sofort den Funken überspringen. Als sie während ihres Vortrags fröhlich feststellte „ich fühle mich hier willkommen“, hatte sie wohl selbst am meisten dazu beigetragen. Genau das ist es, was ihr Blickrichtungswechsel im Umgang mit Dementen erreichen will: geben und nehmen auf Augenhöhe; gegenseitiges Sich Annehmen.

Die Schweizer Diakonissin und diplomierte Krankenschwester (Jahrgang 1935) schöpft aus ihrer langjährigen Erfahrung als Demenzbegleiterin. Authentisch und lebensnah erzählt sie Begegnungen, schildert unterschiedliche Situationen, nimmt die Zuhörer mit, jeder Satz geprägt von Realismus und Empathie. Zuweilen überraschende Erkenntnisse: die westliche Kultur sehe die Lebensphasen als einen von der Geburt aufsteigenden und zum Tod abfallenden Bogen - „das Lebensgefühl der östlichen Kultur dreht den Bogen um, dann ist er eine Schale, gefüllt mit Leben und Erfahrungen!“ Oder: „Demente gehen langsam auf eine Insel und können nicht mehr zurück. Gehen wir doch auch dahin. Wir werden erstaunt sein, was die anderes haben als die auf dem Festland.“

Aber nichts wird beschönigt. „Demenz ist eine Herausforderung. Der Weg miteinander ist schwer.“ Ihr dringender Rat, kompetente Beratung suchen, von Anfang an. Als Angehöriger / Betreuer habe man auch auf sich selber zu achten. Dann eröffnen sich Chancen, von Dementen eine Menge zu lernen. Sie seien spontan, hätten keine Maske mehr. Vielfältige Interaktionen seien möglich, mit Humor und Lebensfreude. B. Schröder spielt solche Szenen mit Teilnehmern in der ersten Reihe – erfrischend und aufklärend zugleich. Vor allem aber gelte es, Demente als Persönlichkeiten zu werten, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, von und mit ihnen zu lernen, sie achtsam und wertschätzend zu begleiten.

Brigitta Schröder setzt Maßstäbe. Sich darauf einzulassen, befreit von Angst, ist nachhaltig und ermutigend. Das war an diesem spannenden Nachmittag in dem dankbaren Auditorium deutlich spürbar.