„Von Daten zu Taten. Strategien und Maßnahmen zur Überwindung sozialer Ungleichheiten in unseren Städten“, war das Motto einer Fachtagung, zu der das Netzwerk Senioren ohne Grenzen in den Festsaal des Walter-Heckmann AWO-Senioren- und Sozialzentrums eingeladen hatte. Vorsitzende Maria Dünwald bedankte sich beim Hausherrn und Mitveranstalter, Lothar Cecharowski, und dem Förderverein der Einrichtung für die Zusammenarbeit.

Leo Jansen (im Bild), ehemaliger Leiter der Bildungsstätte Oswald-von-Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath und seit einigen Jahren Sozialplaner der Stadt Stolberg, schilderte aus der Praxis Aufgaben und Ziele integrierter Sozialplanung.

Die alte Industriestadt Stolberg, wo die Metallindustrie immer bedeutsamer gewesen sei, als der Bergbau, habe aufgrund des Strukturwandels, enorme soziale Verwerfungen erfahren. Hauptprobleme gebe es im Zentrum. Hier sei der höchste Anteil von Kindern in Armut. Ein weiteres Problem: mit dem Niedergang des Einzelhandels habe die Innenstadt ihr Gesicht verloren.

Die Menschen aktivieren

Es gelte, in den benachteiligten Stadtteilen die Menschen zu aktivieren. Damit war wohl der schwierigste Part in diesem Prozess angesprochen.

Mit Spannung verfolgten die Teilnehmer, wie intensiv und gezielt die Kupferstadt Stolberg sich auf den Weg gemacht hat. Die Sozialanalyse, so Leo Jansen, habe die Politik ermutigt, Bereiche der Negativentwicklung in den Blick zu nehmen. „Kommunalpolitik kann mehr als viele denken, im Konsens parteienübergreifend.“

Eine interfraktionelle Lenkungsgruppe wurde etabliert. Vor allem aber: Offensive Beteiligung ist angegangen worden, sehr früh und schnell wurden viele Leute bewegt. Integrierte soziale Stadtentwicklung für alle sei Aufgabe. Um das zu erreichen, müsse Stadtbauplanung mit Sozialplanung verknüpft werden.

Leitbildentwicklung

Nachdem aus den Daten aller Quartiere ein Sozialbericht vorlag, sei ein Leitbild entwickelt worden, stets mit reger Beteiligung unterschiedlicher Zielgruppen, einschließlich Kinder und Jugendlicher. Kinder der Förderschule entwickelten den Slogan: „Aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander leben“. Der wird als Verpflichtung erlebt und erscheint in allen Veröffentlichungen.

„Aus Zahlen stellt man Statistiken zusammen, so Leo Jansen, aber wir haben zu fragen, wie fühlen sich die Menschen!“. An vielen Praxisbeispielen zeigte der Referent: „Sozialplanung ist soziales Handeln!“

Für das Ziel „Soziale Kupferstadt 2030“ werde jetzt ein Handlungskonzept entwickelt. Und alle sollen mitziehen. Gewinnt man für ein heruntergekommenes Viertel die ganze Stadt? Ja – wenn alle sich gefragt und beteiligt fühlen können. Deshalb das erste Gebot: „Keine Maßnahme ohne Bürgerbeteiligung.“

Dass die Aufbruchstimmung, die große Teile der Bevölkerung erfasst hat, nicht einbricht, ist für alle Beteiligten die Herausforderung der nächsten Jahre.